Művelődés-, Tudomány- és Orvostörténeti Folyóirat
2016/12           ISSN: 2062-2597
Cím: Johannes Saltzmann, der Stadtarzt von Hermannstadt, ließ 1510 in Wien seine Pest-Ordnung drucken

Title: Johannes Saltzmann, der Stadtarzt von Hermannstadt, ließ 1510 in Wien seine Pest-Ordnung drucken
[Letöltés]
Szerző(k): Robert Offner Dr. - Universitätsklinikum Regensburg, Abt. Transfusionsmedizin des Instituts für klinische Chemie und
Rovat: Könyvtári források
Kötet: 2011/2
DOI:
Kulcsszavak:
pestis, Johannes Saltzmann, Erdély
Keywords:
plague, Johannes Saltzmann, Transylvania
Abstract:

500 évvel ezelött, 1510 Karácsonya elött látott napvilágot Bécsben egy nyomtatott pestisrendelet a következö cimmel: De praeservatione a pestilentia et ipsius cura opusculum non minus utile quam necessarium ad com­mu­nem hominem utilitatem accuratissime elucubratum. Szerzöje Johannes Saltzmann (? -1530) a felsöosztrák Steyrböl származott, Bécsben és Ferraraban végezte tanulmányait, az utóbbi  hires egyetemen szerezte meg orvosdoktori címét. 1506-ban Cseh- és Morvaországban folytatott orvosi gyakorlatot. 1510-ben Nagy­szeben városi orvosi tisztséget töltötte be, ezért könyvét is a város elöljáróinak ajánlotta. Nevét azzal írta be az erdélyi orvoslás történetébe, hogy rendkivül szigorú elszigetelö intéz­kedéseinek - vesztegzárának – köszönhetöen Nagyszeben lakósságát sikeresen megmentette a korabeli Erdélyben tomboló pestis­járványtól. Könyvét is ennek kapcsán írta meg. Nem sokkal utánna I. Ferdinánd föherzeg udvari orvosává nevezte ki és a bécsi Egyetemen is tanított. Ennek az elterjedt müfajnak akkorból számtalan terméke ismert, de Saltzmann könyve az elsö nyomtatott pestistraktátumnak tekinthetö amely a I. Ferdinánd föherzeg felkérésére német nyelvre is lefordíttatott (1521) és korában éppen Közép-Európai régióban nagy kihatással volt (többek között Magyarországon és Erdélyben), de szerepe volt a késöbbi fertözési rendeletek (Infektionsordnung) és az állami közegészségügyi felügyeletnek (?) a kifejlödésében is.


Die Erstellung von so genannten„nützlichen Ordnungen und Regimenten wider die Pestilentz“ dienten der Bekämpfung verheerender Seuchen, allen voran den Schwarzen Tod, wie die Pest später bezeichnet wurde. Obwohl diese Seuche bereits in der Antike und im Frühmittelalter (Justinianische Pest im 6. Jht.) bekannt war, überrollte sie von 1347 bis 1352, von der Krim-Stadt Kaffa (Feodo­ssija) ausgehend, fast ganz Europa. Sie traf die Bevölkerung unver­mittelt in einer Krisen­zeit der Feudalgesellschaft (Kälte, Hungersnöte, Kriege), als gött­liche Strafe in Gewand einer „neuen“ Krankheit und grassierte auf eine - auch heute noch - unvor­stell­bar heftige Art und Weise. Diese Epidemie gilt als größte Katastrophe im zweiten Jahrtausend n. Chr. Schätzun­gen zur Folge forderte das „Große Sterben“ durch­schnittlich 30% der europäischen Bevölkerung, also etwa 18 Millionen Menschen­leben von den damals insgesamt nur ca. 60 Millionen Ein­wohnern des alten Kontinents. Die Bevölkerung Europas schrumpfte infolge von weiteren sechs Pest­epidemien bis 1400 auf die nur noch die Hälfte! Manche Regionen verloren sogar 70-80% ihrer Einwohner; allein in Florenz starben in dieser Zeit über 50.000 Menschen.

In der bekannten Novellensammlung Decamerone des Florentiner Huma­­nisten Boccaccio (1313-1375) schildert der Autor eindrucksvoll das bislang beispiellose Massen­sterben, deren sozial-ökono­mi­schen und moralisch-kulturellen Folgen das mittelalterliche Europa zutiefst erschütterten. Vertrauensverlust an christlichen Grundwerten, Sektenbildung, Geißlerzüge, Fanatismus und Fremden­hass, Judenpogrome und nach­haltige soziale Umschichtungen zählten zu den Folgen der Seuche: „Die fürchterliche Heimsuchung hatte eine solche Verwirrung in den Herzen der Männer und Frauen gestiftet, dass ein Bruder den anderen, der Onkel den Neffen, die Schwester den Bruder und oft die Frau den Ehemann verließ; ja, was noch merkwürdiger und schier unglaublich scheint: Vater und Mutter scheuten sich, nach ihren Kindern zu sehen und sie zu pflegen – als ob sie nicht die ihren wären. (…) Aber wegen des Fehlens an ordentlicher, für den Kranken nötiger Pflege und wegen der Macht der Pest war die Zahl derer, die Tag und Nacht starben, so groß, dass es Schaudern erregte, davon zu hören, geschweige denn es mitzuerleben.“ (…) „Das ehrwürdige Ansehen der göttlichen und menschlichen Gesetze war fast ganz gesunken und zerstört.“

 

Bis 1890, als Alexandre Yersin die Pestbakterien (Yersinia pestis) entdeckte und die Über­tragung der Krankheit von Ratten über Flöhe auf den Menschen klärte, wurde angenommen, daβ die Ursache der „sterbenden Leuffen“ - außer Gottes Zorn und ungünstiger Gestirnkonstellationen - in der Luft, bzw. in den faul riechenden Winden und üblen Dämpfen (sog. Miasmen) liege. Verständlich also, dass die Bezeichnung „verpestete Luft“ für Gestank selbst Ende des 20. Jahrhunderts im siebenbürgisch-sächsischen Sprachgebrauch noch nicht ganz verschwunden war. In Siebenbürgen sind aus dem 16. sieben, aus dem 17. zehn und aus dem 18. Jahrhundert sechs Pestilentzen bekannt, die unzählige Opfer forderten. Somit ist der damals landläufige Meinung: „Diese drei Worte vertreiben die mörderische Pest: Entweiche sofort, gehe weit, kehre spät zurück“ absolut nachvollziehbar.

Am 31. Juli 1510 widmete der aus Steyr (Oberösterreich) stammende Doktor Johannes Saltzmann (auch Salzmann und Salius), Stadtphysikus von Hermannstadt, sein Pestbüchlein, als Zeichen seiner Verbun­den­heit und Hilfsbereitschaft der Stadtobrigkeit, dem Hermannstädter Königsrichter und Kammergraf Johannes Lulay (gest. 1521) sowie den Senatoren der Stadt und den Vertretern der Sieben Stühle. Der Titel des Büchleins lautet auf Deutsch:„Kleines Werk über die Vorbeugung und  Behandlung der Pestilenz, nicht minder nützlich als notwendig und akkurat dargelegt für den Gebrauch durch den gemei­nen Menschen“. Der Autor hielt es - im Vorwort - für außerordentlich wichtig, daβ Siebenbürgen von der Pest verschont bleibe, weil diese Provinz ein unverzichtbares Schutzschild Europas gegen die Türken, Tataren, Skyten und Sonstige sei. Er lobt das standhafte Hermannstadt, das von den Türken, zu Ehren des ganzen Christentums, uneinnehmbar blieb.

Die Pest-Instruktion des Stadtarztes war ein praktischer Ratgeber und beinhaltete nicht nur die Verhaltensregel und Anweisungen zur Vermeidung der Pest sondern auch zahllose Verbote. Er stellt seine eigenen Erfahrungen in der Bekämpfung der Seuche dar, insbesondere die beharrliche, strenge und - deshalb erfolgreiche - Anwen­dung der Isolations­regeln, aber auch die ganze Palette der dama­ligen, meist kaum wirksamen, Heil­methoden dar: Öffentliche Feuer, Räucherung, esoterische Anwendungen, Theriak (Mischung aus Opiaten und Schlangen­giften, getrock­netem Krötenpulver und vielem anderen), Verzicht auf Zusammen­künfte (Feste; Märkte, Baden), Enthaltsamkeit sowie Aufschneiden bzw. Kauterisieren von Pestbeulen und natürlich die Aderlässe. Dank seiner strengen Isolierungs­maßnahmen blieb die Bevölkerung von Hermann­stadt während der schweren Epidemie von 1510 von der Pest verschont, während außerhalb der befestigten Stadt am Zibin die Seuche ungehindert wütete und zahlreiche Opfer forderte. Der Autor erwähnt dies in der deutschsprachigen Auflage seiner Pest-Ordnung von 1521: „Im jar 1510 gelebet nach solchem meynem rad dye vermertest Stat in Sybenbürgen genant die Hermanstat ward ganz behuet, dass khain mensch in diesem lauff siech ward. So doch all ander umbliegend Stett und Märkt, die solcher Ordnung nit pflegten, mit der pestilentz grausamblich beschwaert worden.“

Die verbesserte Hygienevorgaben und die strengen Isolationsmaßnahmen des Stadtarztes Saltz­mann, wie jene, in den von der Pest stark gebeuteten italienischen Städten: Venedig, Florenz, Pisa bereits seit 1348 (z.B.: Ordinamenta sanitatis in Pistoia) Anwendung fanden, haben sich auch in Hermannstadt als wirksam und erfolgreich erwiesen. Daher bot es sich dringend an, seine bewährte Methode, mit Hilfe des Buchdrucks, schnell bekannt zu machen. Obwohl 1510 in Europa bereits mehr als 250 Druckorte gab, keiner davon lag in Sieben­bürgen. Daher ließ er sein Büchlein in Wien drucken. Bedingt durch die hohe Nachfrage für solche medizinischen Schriften sowohl in gelehrten Kreisen, als auch bei nichtärztlichen Heilkundigen und Bürgern, wurde seine Pest-Ordnung, auf Befehl des Erzherzogs Ferdinand II. auch in deutscher Sprache verfasst und 1521 ebenfalls in Wien veröffentlicht. Dieser folgten bald weitere Auflagen und Werke anderer Autoren, wie z.B. 1530 die deutsch­sprachige Pest-Ordnung des Hermannstädter Stadtarztes Sebastian Pauschner.

Über Saltzmann ist übermittelt, daβ er 1497 seine Studien in Wien begann, 1504 dort Medizin studierte und in Ferrara zum Doktor der Medizin promovierte. 1506-1507 hielt er sich in Böh­men und Mähren auf, wo er als junger Arzt mit der Pestilentz in Berührung kam. 1507 widmete er ein Gedicht über Anna­berg Kaiser Maximilian I., der ihm die Dichterkrone (poeta leureatus) verlieh. 1510 wurde er in Hermannstadt zum Stadtphysikus bestallt. Die genaue Dauer seines Aufenthaltes in Sieben­bürgen ist nicht bekannt. 1513 war er Mitglied der Medizinischen Fakultät, 1522 sogar Rektor der Universität in Wien. Bereits ein Jahr früher wurde Johannes Saltzmann – dank seines guten Rufes - zum Leibarzt des Erzherzogs Ferdinand II. berufen und wirkte als solcher bis zu seinem Tode 1530.

 

 „Büchlein der Ordnung wider die Pestilenz“ sind bereits im letzten Quartal des 15. Jahrhun­derts im Druck erschienen (Gentile da Foligno, Giovanni Dondi, Heinrich Steinhöwel), jedoch zählt Saltz­manns Werk als erste gedruckte Pest-Ordnung im Habsbur­gischen Herr­schafts­gebiet, das auch in Ungarn und Siebenbürgen zur Geltung gelangte. Vor einem halben Jahrtausend galten also die ersten „Medizinalinstruk­ti­onen“, allen voran die Policeyordnung Ferdinands II., im mittel­euro­päischen Raum als sehr wichtige Neuerung jener Zeit, denn als obrigkeitliche Fürsorge­vorschriften über die Vorbeugung und Eindämmung der Ausbreitung der Pest sowie die zweckmäßige Behandlung von Kranken zählten zu den Anfängen eines staat­lich reglementierten öffentlichen Gesund­heitswesens. Saltz­manns Schrift war nicht nur ein „nützliches“, sondern äußerst notwendiges Regelwerk in einer den Seuchen gegenüber machtlosen und vor Todesangst, Trauer und Elend ge­präg­ten Welt, zu Beginn der Frühen Neuzeit. Sie kann durchaus als ein Vorgänger späterer Pest-Ordnungen in Mittel­europa und sogar späterer Gesund­­heits­­reglemen­tie­­rungen (Generale Normativum in Re Sanitatis, Wien 1770) letztlich sogar als Keimzelle von Gesetzen, Direktiven, Richt- und Leitlinien, Standards und Normen in der Medizin und Pharmazie unserer Ära betrachtet werden.

 

Irodalom/Literature

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HERLIHY, D.: Der schwarze Tod und die Verwandlung Europas, aus dem Englischen übersetzt von

HORÁNYI I., MAGYAR L. A. (szerk.): Démoni ragály: a pestis. Kiállitásvezetö, Bp., 2008.

LINZBAUER, F. X.: Codex Sanitario-medicinalis Hungariae, Tom. I.,Budae, 1852-1856.

MACHER, M.: Handbuch der kaiserlich-österreichischen Sanitäts-Gesetze und Verordnungen, 1. Band,Graz, 1853.

MAGYAR L. A. (szerk.): Medicina Renata, reneszánsz orvostörténeti szöveggyüjtemény, Bp., 2008.

OHLER, N.: Sterben und Tod im Mittelalter, München, 1990.

RUFFIÉ, J., SOURNIA, J.-Ch.: Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit, aus dem Französischen übersetzt von Brunhild SEELER, Donauwörth, 2000.

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VASOLD, M.: Die Pest. Ende eines Mythos, Stuttgart, 2003.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pest (Stand: Januar 2011)

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Tod (Stand: Januar 2011)

http://www.gesundheitsamt.de/alle/seuche/infekt/bakt/pest/sg.htm (Stand: Januar 2011)

 

Abb.1

Johannes Saltzmanns lateinische Pest-Ordnung von 1510 (Wien)

  

Abb. 2

An Beulenpest Erkrankte und ein betender Angehöriger, Geistlicher oder

Arzt mit Heilkräutern in der Hand (16. Jh.)